1. Bundesliga 2009 - Berichte von den Kämpfen des RVT I

Bericht vom 6. Kampftag am 10.10.2009: RV Thalheim - SC Anger

Gegen starke Bayern auf verlorenem Posten

RV Thalheim unterliegt SC Anger mit 9:26

Thalheim. Eine herbe Heimniederlage mussten die Kämpfer des RV Thalheim am vergangenen Samstag im heimischen Sportlerheim gegen den Zweiten der Tabelle vom SC Anger quittieren. Deren Ankündigung, sich im Erzgebirge keine Blöße geben zu wollen, wurde zum Leidwesen der Gastgeber in vollem Umfang wahr gemacht.

Bereits beim öffentlichen Wiegen wurde deutlich, wer an diesem Abend als Sieger von der Matte gehen würde. Einzig die Gewichtsklasse bis 96 Kilogramm im freien Stil ließen die bärenstarken Gäste unbesetzt, weil sich ihr Spitzenmann Gergely Kiss kurzfristig erkrankt meldete. Ansonsten schickten die Trainer Christian Klouceck und Zoltan Kovac mit zwei Polen, zwei Bulgaren und einem Ungarn sowie vier deutschen Topathleten ihr nahezu bestes Aufgebot in den Kampf. Beim RV Thalheim ersetzte bei seinem diesjährigen Bundesligadebüt ein gut aufkämpfender André Montag den diesmal nicht eingesetzten David Vala (Gewichtsklasse bis 120 kg, Klassisch). Weiterhin kehrten mit Krzysztof Bienkowski und Erik Weiß zwei der Neuzugänge wieder ins Team zurück.

Die ersten Mannschaftszähler an diesem Abend konnten für den Gastgeber im gut besuchten Sportlerheim erst im vierten Kampf des Abends verbucht werden, weil Radoslaw Dublinowski im Limit bis 96 kg wie bereits erwähnt ohne Gegner blieb und damit vier Punkte auf das Konto der Mannschaft um Heiko Krauß und Rüdiger Möhring brachte. Zu diesem Zeitpunkt lag man allerdings bereits mit 0:10 im Hintertreffen. Patrick Baumann (55 kg, Freistil) unterlag dem Bulgaren Stoyko Rusev auf Schultern. Auch die beiden Klassiker André Montag - gegen den polnischen Meister und WM-Teilnehmer 2009 Marcin Olejniczak - und Publikumsliebling Oliver Runge (60 kg) waren ihren Gegenübern jeweils mit 0:3 Runden unterlegen. Besonders Runge zeigte sich nach der Niederlage im Prestigekampf gegen einen seiner Dauerkonkurrenten und diesjährigen Siebten der deutschen Meisterschaften, Christopher Geiger, doch etwas enttäuscht.

Im letzten Kampf vor der Pause kam es zum Duell zweier Ungeschlagener Freistilexperten der bisherigen Saison. Leider hatten die Gäste auch hier im bulgarischen Vizemeister und WM-Teilnehmer Nikolay Kurtev den Sieger in ihren Reihen. Tapfer wehrte sich der junge "Kryszek" Bienkowski auf Seiten des RVT. Die ersten beiden Runden überließ er dem Gastringer lediglich im Zwiegriff. Runde drei gab er dann deutlicher mit 0:4 ab, so dass Kampfrichter Kapp, der an diesem Abend eine befriedigende Leistung bot, beim Stand von 4:13 aus Sicht des RV Thalheim zur Pause bat.

In dieser stellte Trainer Heiko Krauß bereits ernüchtert fest: "Obwohl meine Mannschaft bisher alles gegeben hat, sind uns die Gäste doch in punkto Kampstärke und Cleverness beinahe immer einen Tick voraus. Diese Überlegenheit sollten wir anerkennen und dürfen uns dadurch keinesfalls von unserem Saisonziel abbringen lassen."

Nach der Pause zeigte Waldemar Streib (84 kg, klassisch) zumindest in Runde eins gegen den DM-Zweiten von 2008, Bernhard Mayr, zu welcher Leistung er fähig ist. Mit einer geschickten Aktion überrumpelte er das bayerische Kraftpaket, konnte dies aber in den folgenden drei Runden nicht ausbauen und unterlag mit 1:3. Auch Erik Weiß verkaufte sich in der Gewichtsklasse bis 66 Kilogramm (Klassisch) gegen den amtierenden polnischen Vizeuropameister und WM-Teilnehmer Edward Barsegjan äußerst teuer. Durch sein Engagement konnte er die drohende technische Überlegenheit seines Gegners verhindern und gab Runde zwei nur durch seine Passivität mit 0:1 durch nichttechnische Wertung ab. (Gesamtstand 5:19)

Die beste Vorstellung des gesamten Abends aus Heimsicht bot im folgenden Kampf einmal mehr der junge Pole Kamil Skaskiewicz. Von der ersten Sekunde an unentwegt im Vorwärtsgang befindlich, gewann er unter dem Jubel der Fans alle drei Runden gegen den Bronzemedaillengewinner der Deutschen Meisterschaften von 2008, Bernhard Koch. Damit bleibt der mit extrem viel Körpergefühl ausgestattete Neuzugang weiterhin ungeschlagen. Beim neuen Zwischenstand von 8:19 sollte dies allerdings der einzige auf der Matte errungene Sieg der Drei-Tannen-Städter an diesem Abend bleiben, denn auch die letzten beiden Duelle im Weltergewicht gingen an die bayerische Gastmannschaft.

Zunächst fand Dennis Mehlhorn im freien Stil kein Mittel gegen den zwei Jahre älteren ehemaligen Deutschen Juniorenmeister Stefan Koch. In drei Runden musste er die technische Überlegenheit seines Gegners anerkennen. Einen ganz schweren Stand hatte sein Bruder Kevin Mehlhorn gegen den auch als "Iceman" bezeichneten Attila Drechsler im abschließenden klassischen Duell bis 74 Kilogramm. Der in Thalheim bereits aus Auerbacher und Luckenwalder Zeiten bekannte Ungar war Meister seines Landes 2008 und EM-Teilnehmer 2009. Beinahe wäre dem in Frankfurt (Oder) trainierenden jungen Mann unter den Augen seines Vaters eine Sensation geglückt, denn in der ersten Runde konnte er eine Standaktion Drechslers abfangen und hatte diesen kurzzeitig in der gefährlichen Lage. Dank seiner Cleverness konnte sich der gewiefte Osteuropäer jedoch befreien und die folgenden Runden gegen sein zusehends vor allem physisch abbauendes Pendant für sich entscheiden.

Damit stand das Endergebnis von 9:26 Mannschaftspunkten fest, womit der RV Thalheim weiterhin auf Rang acht der Tabelle verbleibt. Mit dem Auswärtskampf kommende Woche in Hallbergmoos sowie dem darauffolgenden Lokalderby gegen den AV Germania Markneukirchen zu Hause stehen dem RVT in den nächsten Wochen erneut harte Bewährungsproben ins Haus.

Freudestrahlend zeigte sich indes der Trainer der Thalheimer Mädchen, Frank Graube. Seine Nachwuchsathletinnen hatten im Vorkampf eine mit starken Akteurinnen Sachsens gespickte Landesauswahl bezwingen können und damit für einen Lichtblick an diesem Abend gesorgt.

Michael Thriemer, 11.10.09.