Viertelfinale um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft, Hinkampf
17.12.2011: KSV Köllerbach - RV Thalheim

Saarländer zwei Nummern zu groß

Endrunde um deutsche Mannschaftsmeisterschaft: RVT kommt 3:33 unter die Räder – Weiß mit Ehrensieg

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Von Michael Thriemer

Das neue BUNDESLIGA-Logo - [Klick zum Vergrößern!]Die Ringer aus dem Zwönitztal sind spät in der Nacht zum vierten Advent von einer langen und sicherlich lehrreichen Reise aus dem Saarland ins weihnachtliche Erzgebirge zurück gekehrt. Alle zehn Athleten aus der Staffel von Trainer Heiko Krauß hatten den erwartet schweren Stand, zudem mussten einige Umstellungen vorgenommen werden.

Deshalb fiel das Resultat auch entsprechend eindeutig aus, obwohl einige knappe Kämpfe dabei waren. Verzichten musste Krauß auf die beiden in einem Trainingslager befindlichen jungen Polen Bienkowski und Baranwoski, was angesichts der begrenzten Aufstellungs-Möglichkeiten der Zwönitztaler natürlich einen gewaltigen Schlag ins Kontor bedeutete.

So war „Durchrutschen“ angesagt, denn Wojciech Sadowski rückte ins Limit bis 74 Kilogramm Freistil, während Florian Rau ins Mittelgewicht hochgezogen wurde. Der freigewordene Platz in Gewichtsklasse bis 66 kg (Freistil) wurde Sven Bachmann aus der zweiten Mannschaft zuteil, während die unteren beiden durch junge Sportler abgedeckt wurden.

Die zwei 16-jährigen Peter Haase (55 kg, Freistil) und Alois Stürmer (60 kg, klassisch) bekamen es dabei mit internationalen Top-Stars zu tun, auch weil der Gastgeber keine Spielchen zuließ und beinahe seine allerstärkste Formation ins Gefecht schickte.

Haase, mangels Alternativen im ungewohnten freien Stil angetreten, hatte in Andrei Dukov aus Rumänien einem Teilnehmer bei Europa- und Weltmeisterschaften der Männer vor der Brust und verletzte sich Mitte der ersten Runde an der Schulter, was unweigerlich zur Aufgabe führen musste.

Stürmer, erst nach langer Verletzungs-Pause wieder genesen, stand vor der hohen Hürde namens Venelin Venkov, seines Zeichens dreifacher Vize-Europameister. Fast über die volle Distanz von drei Runden hielt sich der junge Thalheimer und kam im zweiten Abschnitt gar zu einem Punktgewinn. Lobenswert der Mut des jungen Mannes, sich ins Gefecht mit einem solchen Weltklasse-Ringer zu werfen.

Dazwischen musste sich David Vála (120 kg, klassisch) dem Zugriff von Ex-Weltmeister Heiki Nabi erwehren, was auch recht gut gelang. Vier Wertungspunkte hatte der Prager dem Esten zu überlassen, so dass am Ende eine 0:3-Niederlage zu Buche stand.

Radek Dublinowski (96 kg, Freistil) wiederum hielt sich gegen den Bulgaren Lyuben Illiev tapfer. Der Dritte und Fünfte der EM 2009 und 2008 hat in den letzten Jahren mächtig an Physis zugelegt, wie sich sein ehemaliger und damals gleichgewichtiger Mannschafts-Kollege aus Markneukirchener Zeiten, Florian Rau, erinnerte. Drei kleine Wertungen sicherten am Ende den 3:0-Rundenerfolg des KSV-Athleten.

Vor der Pause war es im fünften Duell Sven Bachmann, der auf den ersten deutschen Sportler der Gastgeber traf. Dabei handelte es sich gleich um den DRB-Nationalkader, Sieger des Grand Prix von Deutschland 2010 und Achten der Weltmeisterschaften desselben Jahres, Martin Daum. Dreimal hieß es vorzeitig sechs zu null, wodurch die technische Überlegenheit feststand.

Somit war beim Pausenstand von 18:0 schon alles klar, wobei der gesamte Vergleich von einer sehr fairen Atmosphäre begleitet wurde, wie der Schriftführer des RVT, André Schmidt, berichtete. „Wir wurden hier sehr gut empfangen, es hat alles gepasst. Selbst unserem einzigen Gewinner wurde lang anhaltender Beifall zuteil. Insgesamt war es natürlich sportlich nicht zu stemmen."

Damit war Erik Weiß (66 kg, klassisch) gemeint, der im siebten Vergleich des Abends die ersten und einzigen Runden auf das Konto der Gäste brachte, und dies auch vollkommen verdient. Gegner Tomasz Swierk, polnischer Militär-Weltmeister aus dem Vorjahr, unterlag in vier Runden. Dabei war Weiß stets der aktivere Mann und glänzte mit einer Rolle und einem Wurf, während Swierk nur eine Runde wegen Verteidigung in der Bodenlage für sich entschied.

Dann aber wieder das gewohnte Bild: Zwar halten sich die Thalheimer, unterstützt von einer handvoll mitgereister junger Fans so gut es geht, haben aber wie auch in den beiden Duellen des Mittelgewichts keine Entfaltungs-Möglichkeiten. Die Niederlage des aufgerückten Florian Rau (Freistil) gegen den Dritten und Fünften des Großen Preises von Deutschland vergangener Jahre, Konstantin Völk, mit 0:3 mag noch als eingeplant gelten.

Dass aber auch Petr Novák (84 kg, klassich) so chancenlos die Matte verlässt, macht fast ein wenig betrübt. Zwar hielt der ansonsten mit tollen Leistungen aufwartende 23-Jährige gegen Spitzenmann Jan Fischer im Standkampf hervorragend mit. Der Fehler war allerdings, sich in den Durchgängen zwei und drei als aktiverer Mann für die Unterlage zu entscheiden, wo es kein Mittel gegen die Durchdreher und Würfe des ehemaligen Junioren-Vizeweltmeisters gab. „Hier hat man gesehen, dass ein echter 84er Ringer gegen einen international ein Limit tiefer startenden Kämpfer antrat. Unser Petr kam schlecht in der Bodenlage zurecht, ansonsten war es absolut in Ordnung“, schilderte André Schmidt diesen Vergleich

So ruhten letzte Hoffnungen auf den beiden abschließenden Weltergewichts-Duellen, wurden aber ebenso wie vorher von der bärenstarken Köllerbacher Ringergilde zunichte gemacht. 

Wojciech Sadowski (Freistil) musste den amtierenden Zehnten der WM von Istanbul, Andrej Shyyka, ebenso passieren lassen wie sein Mannschafts-Kollege Kevin Mehlhorn Kontrahent Konstantin Schneider. Dieser, im Übrigen Kapitän der Saarländer, tat nicht mehr als nötig und gewann mit 3:0 aufgrund dreier Einser-Wertungen.

Am Ende also eine deutliche Niederlage für die Drei-Tannen-Städter, die klare Grenzen des sportlichen Vermögens aufzeigt. Trotz allem sollte kommenden Freitag im Sportlerheim etwas mehr drin sein. Ein engeres Resultat ist beim letzten Auftritt vor heimischem Publikum das klare Ziel, schließlich gastiert nicht alle Tage ein sechsfacher Deutscher Meister mit solch klangvollen Namen im Zwönitztal.

Wettkampfprotokoll: liga-db.de

Michael Thriemer, 18.12.2011.

Termine 1. Bundesliga Ost 2011 - pdf-Dokument