Bundesligatagung
Eine Vorschau von Jörg Richter.

Die Bundesliga der Ringer steckt in der Krise, die KG Greiz/Mohlsdorf und TuS Jena zogen ihre Teams während und nach der Saison zurück, der KSV Haslach i.K. kurz vor Beginn der letzten Meisterschaftsrunde. Das finanzielle und damit auch das personelle Niveau in den verschiedenen Bundesligastaffeln geht weit auseinander, ohne ausländische Spitzenringer ist es kaum möglich in der 2. geschweige denn der 1. Bundesliga zu bestehen.

Guter Rat ist also teuer und da sich Bundesligareferent Martin Daßler die teuren Berater aus der Politik nicht leisten kann, werden alljährlich die beteiligten Vereine an einen Tisch geholt. Selbiger steht am kommenden Samstag in Darmstadt an und möglichst viele Ideen sollen dort zur Sprache kommen, welche das Ligageschehen wieder interessant machen.

Hintergrund

Hinter den Teams liegt eine Saison mit vielen Höhen und Tiefen. Positiv: das Konzept des AV Germania Markneukirchen in der 1. Bundesliga scheint aufzugehen. Die Vogtländer bestanden die Runde vornehmlich mit Ringern aus der Region, nachdem der Ausländeranteil des Teams auf ein Minimum herabgeschraubt wurde. Das nahmen auch die Fans an, von denen spürbar mehr die Heimkämpfe besuchten als im Vorjahr.

Negativ: der FC Erzgebirge begann die Saison mit einer dünnen Kaderdecke und einer langen Verletztenliste. Die Erzgebirger standen von Beginn an unter Druck und stiegen als Tabellenneunter sieglos und freiwillig in Liga 2 ab. Negativ vor allem auch die Mannschaftsrückzüge der Thüringer Erstbundesligisten. Während die KG Greiz/Mohlsdorf noch während der Saison die Segel strich und nun mit finanziellen Entschädigungsforderungen der anderen Vereine kämpft, kam der finanzielle Kollaps des TuS Jena erst in der Finalrunde. Nur noch ein kleines Häuflein stellte sich dem Viertelfinalrückkampf in Hallbergmoos, sechs Aktive von denen vier gar nicht vor hatten, wenigstens die Ehre zu retten.

Auf der Suche nach den Aufsteigern in die Deutsche Eliteliga erntet man größtenteils nur Kopfschütteln. Schlussspurt in der 2. Bundesliga Ost; Thalheim zog unrühmlich die Notbremse, die WKG Auerbach/Chemnitz flog förmlich am Ortsnachbarn vorbei, direkt in die 1. Bundesliga. Die Verantwortlichen im Erzgebirge wissen, dass ihnen dieser 'Betriebsunfall' nach dem Durchmarsch Kopf und Kragen kosten kann, wollen jedoch das Beste draus machen.

Ähnliches Geschehen gab es aber auch in der 1. Bundesliga Süd, wo der KSV Aalen vor der Finalrunde mächtig wankte, wollten Finanzamt und Krankenkasse die offenen Forderungen von ca. 500.000 € geltend machen. Selbst Kommunalpolitiker setzten sich für den späteren Vizemeister ein, die Summe wurde gestundet. Ist das der langsame Tod des Riesen aus der Ostalb? Rückzugsgefechte gab es dagegen auch in den 2. Bundesligen West und Süd, wo man ähnlich wie in Thalheim mysteriöse Kampfergebnisse beobachtete.

Mit gemischten Gefühlen geht es also am Samstag nach Darmstadt, wo nun einiges angeschoben werden soll, um den Patient Bundesliga am Leben zu erhalten. Ob jedoch Änderungen der Ligastruktur zu einem spannenderen Geschehen auf der Matte führen, bleibt fraglich. Auch die seit Jahren angemahnte Selbstbeschränkung des Ausländeranteils dürfte keine Chancen haben, kommen doch nun auch noch die Ringer aus den neuen EU-Ländern hinzu, die das stehende Heer von Bundesligalegionären aus Schweden, Finnland, Griechenland und Spanien zu verdoppeln drohen. 

Blick über den Tellerrand

Von einigen Vereinen wird der Blick in andere Sportarten angemahnt, wo wie im Eishockey nach der Vorrunde die Besten eine weitere Finalrunde bestreiten (mehr Heim- und Spitzenkämpfe) und die Letzten mit den Siegern der 2. Bundesliga die Relegationsrunde bestreiten (mehr gleichwertige- und spannende Kämpfe um den Klassenerhalt, bzw. um den Aufstieg). Bei Letzterem könnten die Zweitbundesligisten ihre Vorrunde ordentlich zu Ende Ringen und im direkten Vergleich mit den Mannschaften aus der hinteren Tabellenhälfte der 1. Bundesliga-, sowie den anderen Staffelsiegern schon einmal eine Standortbestimmung vornehmen. Wettkampfverzerrungen und Aufgaben würden sich erübrigen.

Ein Blick zum Judo lohnt in Richtung Ausländerbeschränkung, hier wird nicht der beliebige Einsatz von ausländischen Kämpfern verboten, sondern eine bestimmte Anzahl von eigenen Nachwuchskämpfern erzwungen. Das hieße zwar das Pferd von hinten aufzäumen, aber der Judoverband hat damit seine eigenen Kader im direkten Vergleich mit der Weltspitze und steht auch mit deutlich mehr Kadern bei den Olympischen Spielen in Athen, als der DRB bis zum heutigen Zeitpunkt aufbieten kann.

Ideen, die bei der Bundesligatagung zur Sprache kommen: so will Markneukirchen eine jährliche Neuordnung der beiden Erstbundesligastaffeln erreichen, andere Vereine stellen die Frage nach einer generellen Neuordnung des Ligasystems. Dem Bundesligareferenten Martin Daßler steht ein heißer Samstag bevor.

Jörg Richter, Sachsenringer.