1. Bundesliga 2006/07 - Berichte von den Kämpfen des RVT

4. Kampftag 28.10.2006: RV Thalheim - FC Erzgebirge Aue

Dramatisches Derby birgt Überraschungen

RV Thalheim gewinnt 22:15 gegen FC Erzgebirge Aue

Das neue BUNDESLIGA-Logo - [Klick zum Vergrößern!]Thalheim. Zu einem echten Herzschlag-Derby wurde der Erstligakampf zwischen dem RV Thalheim und dem FC Erzgebirge Aue am vergangenen Sonnabend. Die Hausherren siegten im Sportlerheim mit einem nie erwarteten 22:15. Dabei wussten die Gastgeber im Vorhinein, dass sie nur dann eine Chance gegen den FCE hätten, wenn dieser nicht in absoluter Bestbesetzung antrat. So kam es dann auch, denn bei den Lößnitztalern fehlten Attila Batky (84 kg/K, bei der Militär-WM) und Pierre Vierling (55 kg, Dienst bei der Bundeswehr). Hinzu kam eine enorme kämpferische Leistung auf beiden Seiten, die das Derby zu einem echten Leckerbissen für die 550 Fans im Thalheimer Sportlerheim werden ließ.

Zum entscheidenden Knackpunkt wurde die Begegnung bis 84 kg (Freistil), als der Auer Selami Akosman wegen eines Fouls in der dritten Runde disqualifiziert wurde. Norman Schönwälder hatte ihm bis dahin einen großen Kampf geboten und sogar die erste Runde 6:4 gewonnen. Beim Stand von 3:4 in Durchgang drei führte Akosman nach dem Abpfiff des Kampfrichters Mario Schmidt noch einen Beinangriff aus, bei dem sich Schönwälder am Rücken verletzte. Diese vier Verlustpunkte konnte der FC Erzgebirge in den beiden abschließenden Weltergewichtsduellen nicht mehr wettmachen.

Die Kämpfe im Einzelnen, 1. Halbzeit:

55 kg (Freistil): Patrick Baumann - ohne Gegner 4:0 (kampflos): Nicht zu ringen brauchte Thalheims Patrick Baumann, da Aue keinen Ersatz für den dienstlich verhinderten Pierre Vierling auf die Matte brachte. - Gesamtstand in der Mannschaftswertung 4:0

120 kg (Klassisch): André Montag - Nico Schmidt 0:4 (TÜ): Dass er ein absoluter Top-Athlet ist, bewies Aues Neuzugang Nico Schmidt gegen den 20 Kilo leichteren André Montag. Der amtierende Deutsche Meister im Superschwergewicht, der zum Unverständnis der gesamten deutschen Ringerwelt in diesem Jahr aus dem DRB-Kader flog, nahm dem Thalheimer alle drei Runden vorzeitig ab. Mit einem Salto rückwärts, wie es wohl kaum ein Superschwergewichtler beherrscht, bewies er außerdem direkt nach dem Sieg seine enorme Beweglichkeit. - Teamstand 4:4

60 kg (Klassisch): Thomas Berger - Jan Hocko 0:3 (PS): Physisch war der mehrfache EM- und WM-Teilnehmer Jan Hocko dem RVT-Ringer Thomas Berger eine Nasenlänge voraus. Die ersten beiden Runden gingen klar an den Tschechen, doch in Durchgang drei erkämpfte sich "Bergsi" mit einer schönen Bodenaktion eine 2:0-Führung. Leider konnte er den Vorsprung nicht halten, als er selbst in die Bodenlage musste, so dass Hocko auch die letzte Runde gewann. - Teamstand 4:7

Aleksandr Sommer attackiert Jacub Cechel - [Klick zum Vergrößern!]96 kg (Freistil): Aleksandr Sommer - Jacub Cechel 3:0 (PS): Was Aleksandr Sommer im Freistil drauf hat, bewies er an diesem Kampfabend endlich gegen Jabub Cechel. Konsequente Beinangriffe sicherten dem 25-Jährigen unter dem lauten Jubel der Fans seinen ersten Saisonsieg in glatten drei Runden. - Teamstand 7:7

66 kg A (Freistil): Heiko Gensicke - Axel Frommhold 2:3 (PS): Heiko Gensicke war dem ersten Sieg gegen seinen Dauerrivalen Axel Frommhold so nah wie noch nie. In den Runden eins und zwei setzte er die Vorgaben von Trainer Jochen Schwarzer perfekt um und gewann 1:0 und 4:0. Danach ließ er sich jedoch wieder zu sehr den Stil des Auers aufzwingen und verlor noch mit 2:3. - Teamstand zur Pause 9:10

Kämpfe nach der Pause:

84 kg B (Klassisch): Holger Hähnel - Falk Scheibe 0:3 (PS): Gegen Falk Scheibe fehlte Holger Hähnel die Spritzigkeit, um zum Erfolg zu kommen. In Runde eins war Scheibe mit einer Rolle erfolgreich, in Durchgang zwei entschied die höhere Aktivität und die dritte Runde gab Hähnel mit zwei Einserwertungen ab. - Teamstand 9:13

Olaf Brandt mit seinem ''Kubaner'' gegen Björn Schöniger - [Klick zum Vergrößern!]66 kg B (Klassisch): Olaf Brandt - Björn Schöniger 3:2 (PS): Für die größte Überraschung des Abends sorgte Björn Schöniger. Der 24-Jährige nahm dem fünffachen Deutschen Meister Olaf Brandt mit enormer Cleverness die ersten beiden Runden ab. Brandt fing sich jedoch wieder und gewann die Runden drei bis fünf klar. Zu diesem Zeitpunkt sahen viele Thalheimer die Felle schon fortschwimmen, denn in den verbleibenden drei Duellen musste nun der RVT mit einer Überraschung aufwarten - Teamstand 12:15

Ein verbissenes Duell: Norman Schönwälder gegen Selami Akosman. - [Klick zum Vergrößern!]84 kg A (Freistil): Norman Schönwälder - Selami Akosman 4:0 (Disqualifikation): Dies war der Kampf des Norman Schönwälder. In Runde eins setzte er sich mit selbstbewussten eigenen Angriffen 6:4 gegen den favorisierten Selami Akosman durch. Der Dritte der Deutschen Meisterschaften aus dem Jahre 2004 drehte im zweiten Durchgang den Spieß um. In Runde drei schien der Kampf wieder offener, denn der Thalheimer kam nach einer 4:0-Führung des Auers wieder auf 4:3 heran. In diesem Moment dann die Schlüsselszene des gesamten Abends: Akosman tritt aus der Kampffläche, Schönwälder erhält die fällige Einser-Wertung und der Unparteiische unterbricht regelgerecht den Kampf. Als der Thalheimer zurück zur Mattenmitte geht, startet der FCE-Athlet einen kraftvollen Angriff, bei dem sich der darauf nicht gefasste Schönwälder verletzt und den Kampf nicht fortsetzen kann. Wegen des Fouls wird Schönwälder zum Sieger erklärt. - Teamstand 16:15

74 kg A (Freistil): Ralph Piterek - Stefan Fernyak 3:0 (PS): Überhaupt keinen Zweifel ließ Ralph Piterek aufkommen, dass er gegen den 33-jährigen Slowaken Stefan Fernyak den Gesamtsieg für den RVT sicherstellen will. Fernyak, der immerhin Achter bei den Olympischen Spielen in Sydney war, hatte in keiner Sekunde eine echte Chance zu punkten. Mit blitzsauberen Beinattacken gewann "Ralle" alle drei Runden klar. - Teamstand 19:15

74 kg B (Klassisch): Petr Bielesz - Tony Selle 3:0 (PS): Im Abschlussduell kaufte Petr Bielesz dem aus Leipzig stammenden Tony Selle am Boden den Schneid ab. Die Rollen des Tschechen waren erneut technische Leckerbissen, für die es von den Rängen viel Applaus gab. - Endstand 22:15

Den ersten Heimsieg für den Ringerverein Thalheim feierten Fans und Mannschaft unter anderem mit einer La-Ola-Welle, wie man sie bereits nach Erfolgen in der 2. Bundesliga zu sehen bekam.

Gleich am Dienstag müssen die Ringer wieder ran, denn dann steht der letzte Vorrundenkampf in Frankfurt (Oder) an. Die "Englische Woche" mit drei Kämpfen innerhalb von sieben Tagen endet dann am kommenden Sonnabend (4.11.), wenn Thalheim den amtierenden Deutschen Meister 1. Luckenwalder SC im Sportlerheim empfängt.

HHä, 29.10.2006. Bilder: www.racepixx.de