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Vom Athletenclub zum Ringerverein |
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Als
Vorsitzender, Sportler und Trainer trat seit 1919 Rudolph Drechsel in
Erscheinung, der das Ringen in Thalheim bis in die 50er Jahre begleiten
sollte. Mit seiner Strumpfwirkerei von den Arbeitersportlern Ende der 20er
Jahre als "Fabrikant" gebrandmarkt, gründete Drechsel 1932
einen neue Verein, den SV "Olympia" Thalheim, zu dem viele der
Arbeitersportler überwechselten. Mit der Machtübernahme der
Nationalsozialisten wurde der Arbeitersport 1933 dann in ganz Deutschland
zwangsaufgelöst. Olympia Thalheim, das als "bürgerlicher"
Verein bestehen blieb, errang in den 30er Jahren die bis dato größten
Erfolge. So wurde Willy Lindner zweimal Dritter bei den Deutschen
Meisterschaften und 1939 gar Vize-Meister. Zu Zeiten des Zweiten
Weltkriegs, in dem viele Sportler von "Olympia" ihr Leben ließen,
mussten sich die Aktivitäten auf den Nachwuchssport konzentrieren.
Nach dem Zusammenbruch 1945, der Flüchtlingswelle und dem Verbot von
Kampfsportarten bis 1948 kam das Ringen in Thalheim nicht so recht wieder
auf die Beine. Zwar gab es noch eine kleine Sektion Schwerathletik
zwischen 1950 und 53 sowie eine Kampfgemeinschaft mit Gornsdorf in der
Bezirksliga, doch am Ende fehlten die Ringer und Übungsleiter für einen
kontinuierlichen Wiederaufbau. Dennoch ging mit Werner Rosowski aus dieser
Zeit ein Athlet hervor, der in den 50er Jahren zu den besten deutschen
Ringern seiner Gewichtsklasse zählte. Viermal wurde der Thalheimer, der
ab 1953 für den Sportclub in Halle startete, DDR-Meister der Männer,
zweimal davon im klassischen und zweimal im freien Stil.
Erst zwischen 1960 und 62 kam es zum richtigen Wiederaufbau durch den
unvergessenen Wolfgang Bohne und den Gornsdorfer Kurt Stöckel, der zuvor
mit Herbert Wende die Ringersektion in Aue quasi aus dem Nichts gegründet
hatte. Unglaublich schnell stellten sich hier Erfolge ein, wie
beispielsweise der Sieg bei der Spartakiade in Berlin durch Wolfgang Hahn
(1966) oder den DDR-Meistertitel in der Jugend durch Bernd Reuther (1967).
Noch für Fortschritt Auerbach gewann der Thalheimer Gerd Rotkehl 1963 den
DDR-Meistertitel. Für so manchen Nachwuchssportler war Wolfgang Bohne
eine Art Vaterfigur und so kommt es nicht von Ungefähr, dass sich für
den 1986 viel zu früh verstorbenen Trainer die Bezeichnung Papa Bohne
einbürgerte.
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Der erfolgreichste Thalheimer Ringer überhaupt ist Bernd Drechsel, ein
Wolfgang-Bohne-Talent, das alle nur "Mops" riefen. Für den SC
Zella-Mehlis nahm er an den Olympischen Spielen 1972 in München teil,
gewann Bronze zu den Europameisterschaften 1975 sowie den Großen Preis
von Deutschland 1974 und 78.
Mitte der 70er Jahre erlebte die bis dahin in der Bezirksliga vertretene
Mannschaft einen Aufschwung. 1976 stieg man - komplett mit eigenen Leuten
- in die DDR-Liga auf. Zwischenzeitlich wieder abgestiegen kamen die Zwönitztaler
1983 wiederum in die DDR-Liga und 1987 gelang gar der Sprung ins Oberhaus
der DDR-Ringer, der Oberliga. Die Einzelerfolge häuften sich zwischen
1977 und 1981 im Jugend- und Juniorenbereich, wobei viele Sportler für
die Sportclubs, vor allem für Zella-Mehlis rangen. Klaus Röstel, Uwe
Fritzsch, Uwe Lauenroth und Mike Wagner wurden DDR-Meister, Jürgen Arnas
Spartakiadesieger.
In den Jahren vor der politischen Wende gingen viele Thalheimer in den
Westen, was ein Loch in die Mannschaft riss. Dennoch schaffte man im Übergangsjahr
1990 Platz eins in der Verbandsliga und damit die direkte Qualifikation für
die 2. Bundesliga. Nicht einfach
war dieser Neuanfang, schließlich war ein Gewinnen von Sponsoren unumgänglich,
um in dieser Klasse bestehen zu können. Mit viel Engagement blieb der
Erfolg nicht aus. Den Verbleib in der 2. Bundesliga schafften die
Thalheimer als einzige sächsische Mannschaft überhaupt von 1991 bis
heute.
Aus der BSG "Esda" Thalheim war am 12. Juni 1990 der neugegründete SV "Tanne" geworden, für den die Erzgebirger in der 90er Jahren mehrere Medaillen bei Deutschen Meisterschaften holten. Deutsche Jugendmeister wurden Dominic Förster (1994 und 96) und Sven Reichelt (1995). Die erste und bislang einzige Medaille bei den Männern erkämpfte sich Steffen Richter mit dem Vize-Rang im Jahre 1998.
Ohne Neuzugänge und auch ohne ausländische Ringer hätten die Thalheimer
nie in der 2. Bundesliga bestehen können. Wichtige Namen sind hier unter
anderem Rüdiger Möhring, Tzenko Petkov, Daniel Franke, Karsten vom
Scheidt, Vahap Hanli, Ludèk Burian und Petr Bielesz. Letztere drei haben
sogar schon internationale Erfahrungen bei Europa- und Weltmeisterschaften
gesammelt.
Leiter
der Abteilung war bis 1996 Rainer Schaarschmidt. Ihm folgte André
Schmidt, der bis 2008 Vorsitzender der Ringer war.
2001 folgte der Austritt aus dem SV "Tanne" und die Gründung des jetzigen Ringervereins Thalheim, der mit Silber in der 2. Bundesliga 2002 und 2003 gleich sehr gute Resultate erzielte. Auch im Einzel- und Nachwuchsbereich kam es durch die Neugründung zu einem Aufschwung, der mit der Silbermedaille von Tobias Löffler (Jugend B) und dem dem dritten Platz von Thomas Berger (Männer) in diesem Jahr seinen zwischenzeitlichen Höhepunkt fand.
Seit dem Jubiläum ging es mit dem RVT weiter aufwärts. Stellvertretend für den Weg nach oben seien der Aufstieg in die 1. Bundesliga 2006, die Teilnahme an den Play-off-Kämpfen um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft 2008, der Deutsche Meistertitel von Benjamin Opitz sowie der 1. Platz der Oberliga- und der Jugendligamannschaft (alle 2009) genannt.
Noch weit ausführlicher und mit vielen Anekdoten gespickt kann man die Geschichte des Ringkampfs in der Drei-Tannen-Stadt im Buch "Vom Athletenclub zum Ringerverein Thalheim" nachlesen. Es ist bei der Geschenkboutique Schaaf (Untere Bahnhofstraße 21a), beim Getränkemarkt Schneider (Schulstraße) sowie im Gasthof "Paradies" (Brünlos/Dorfchemnitz) erhältlich.

Der Ringerverein Thalheim 2004
Holger Hähnel.