Auszüge aus der Chronik 
"Vom Athletenclub zum Ringerverein Thalheim"


Werner Rosowski zu seinen Glanzzeiten - [KLICK zum Vergrößern!]

WERNER ROSOWSKI (1933 - 2004) 

Werner Rosowski starb am 28. September 2004. 
Bitte lesen Sie anstelle dieses Auszugs den Nachruf!

Als erfolgreichsten Thalheimer Ringer der Fünfzigerjahre möchten wir an dieser Stelle Werner Rosowski vorstellen, der den Namen seiner Heimatstadt bis über die Grenzen der damaligen DDR hinaustrug und als erster Ringer unseres Ortes internationale Erfolge zu verzeichnen hatte.

Geboren am 29. Oktober 1933 in Thalheim begann Rosowski achtjährig bei Rudolph Drechsel mit dem Ringen sowie dem Gewichtheben. In den ersten beiden Jahren fanden für ihn noch keine Wettkämpfe statt, da diese erst mit Eintritt in die Hitler-Jugend ab einem Alter von zehn Jahren durchgeführt wurden. Im Übungslokal Selig zeigte sich schnell der Ehrgeiz des jungen Werner, von dem Rudolph Drechsel später immer in den höchsten Tönen sprach.

Werner Rosowski (Mitte) mit Kurt Stöckel (links) und Fredo Auerswald 1952 in Gornsdorf. - [KLICK zum Vergrößern!]In der schweren Nachkriegszeit trainierte er noch eine Zeit lang bei Rudolph Drechsel und übernahm schließlich sogar teilweise selbst die Leitung der Übungsstunden. Nachdem Rosowski mit 15 Jahren zusätzlich in Gornsdorf unter den Fittichen von Kurt Stöckel stand und auch für den Nachbarort die Wettkämpfe bestritt, häuften sich die Erfolge. Im April 1951 qualifizierte er sich als Sachsenmeister der Jugend beim Turnier in Gelenau für die DDR-Meisterschaften. Dort schlug er dann im gleichen Jahr die komplette Spitze seiner Altersklasse und holte den Titel für die BSG Konsum Meinersdorf. Ebenfalls 1951 konnte er mit gerade 17 Lenzen gar den erfahrenen Zella-Mehliser Reuß, der zur DDR-Spitze der Senioren gehörte, beim Freundschaftskampf besiegen.

Werner Rosowski wird Dritter bei den gesamtdeutschen Meisterschaften 1954. - [KLICK zum Vergrößern!]Der 5. Februar 1953 markiert für den Erzgebirger einen neuen Lebensabschnitt. Der Wechsel zur Betriebssportgemeinschaft Chemie Leuna, aus der wenige Zeit später der Sportclub Halle-Leuna wurde, bedeutete einen weiteren Aufstieg. Mitte der Fünfzigerjahre war er im Welter- und später im Mittelgewicht, stärkster DDR-Ringer in beiden Stilarten. Davon zeugen die vier DDR-Meistertitel im Männerbereich 1954 und 59 im freien Stil sowie 1955 und 56 im griechisch-römischen Ringkampf. 1954 fanden in Suhl die vorerst letzten gesamtdeutschen Titelkämpfe statt, bei denen er hinter dem späteren Vize-Weltmeister Anton Mackowiak (Dortmund) und Hans Böse (Untertürkheim) Dritter im klassischen Stil des Weltergewichts wurde.

1956 bot sich für Rosowski zum ersten Mal die Möglichkeit, die Qualifikation für die Olympischen Spiele zu schaffen. Sportlich war er dazu allemal in der Lage, doch ein ganz und gar unsportliches Vorgehen beim Ausscheid verhinderte einen Start. Zu den Kämpfen, die damals gemeinsam mit westdeutschen Athleten ausgetragen wurden, sollte sich Rosowski gegen den Jenaer Tischendorf ”spätestens in der zweiten Minute hingelegt haben“, erinnert sich der damals 22-Jährige heute. Hätte Rosowski, der Verwandtschaft im Westen Deutschlands und der Schweiz besaß, diese vom Verband kommenden Anweisungen nicht befolgt, wäre das gleichbedeutend mit dem Ende seiner Karriere gewesen.

Das Leistungsniveau hielt er bis Ende der 50er Jahre. 1959 wurde zum erfolgreichsten Jahr, als er sowohl die offenen internationalen Irischen Meisterschaften gewann, als auch Siebenter bei den Weltmeisterschaften in Teheran wurde. 1960 standen die Olympischen Spiele in Rom an. Nach dem zweiten Platz bei einem Qualifikationsturnier in Danzig standen die Zeichen für eine Fahrt nach Italien nicht schlecht, doch erneut wurde Rosowski bei den Deutschland-internen Ausscheidungskämpfen ausgebremst. 

Rosowski wird zur 100-Jahr-Feier Ehrenmitglied im Ringerverein Thalheim. - [KLICK zum Vergrößern!]Was den Hochleistungssport anging, war nun die Zuversicht der Resignation gewichen. In der Folge wendete sich der mittlerweile 27-Jährige verstärkt der Trainertätigkeit zu. In Halle und Leuna bildete er bis 1980 Ringer aus. Danach ging er aus beruflichen Gründen für elf Jahre nach Templin, wo er heute noch ein Häuschen besitzt und die Sommermonate im Ruhestand verbringt.

Dass Werner Rosowski dem Ringkampf immer die Treue gehalten hat und hält, beweist seine erneute Trainertätigkeit von 1991 bis 2002 nach der Rückkehr ins Sachsen-Anhaltinische zu dem inzwischen in TSV Leuna 1919 umbenannten Verein. 

aus der Chronik "Vom Athletenclub zum Ringerverein Thalheim"