Vor dem 50. zum Traum Marathon

Eckhard Hähnel läuft zum ersten Mal in seinem Leben die 42,195 km

Joachim Hoffmann und Eckhard Hähnel nach dem Marathon in Unna - [KLICK zum Vergrößern!]Unna. Auf dem "Eisenweg" kennt Eckhard Hähnel mittlerweile fast jeden Stein. Drei Monate lang trainierte der Meinersdorfer auf historischer Wegstrecke, um sich zwei Tage vor seinem 50. Geburtstag einen Lebenstraum zu verwirklichen: den ersten Marathonlauf. Am 11. Juli bewältigte Hähnel beim Stadt-Marathon in Unna (Westfalen) dieses Vorhaben und kam nach reichlich vier Stunden völlig erschöpft aber hochzufrieden im Ziel an.

Zuvor war jedoch ein zwölfwöchiger Trainingsplan zu überstehen, der vom sechsfachen Gewinner des Rennsteiglaufs und Senioren-Weltmeister Heiko Schinkitz aus Chemnitz aufgestellt wurde. Hier kam Hähnel, der sportlich schon viele Jahre für die Thalheimer Ringer in der Bezirks- und DDR-Liga aktiv gewesen war, die Hilfe des bekannten Mittel- und Langstreckenläufers Joachim Hoffmann vom TSV Elektronik Gornsdorf zu Gute. Hoffmann, selbst seit eh und je ein Fan der Thalheimer Ringer, war von dem Vorhaben begeistert und sagte während der letzten Zweitligasaison spontan seine Unterstützung zu. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Eckhard Hähnel die schwere Herausforderung meistern würde. Seinen Laufgefährten begleitete er, obwohl er selbst noch im Wettkampfgeschehen mitmischte, sowohl beim Training als auch am Tag des Marathons. In die Vorbereitungszeit fielen auch ein Halbmarathon in Chemnitz und der Berglauf in Thum, bei denen Hoffmann nicht von der Seite Hähnels wich und sogar in Kauf nahm, dass er damit im Ergebnis weit unter seinen Möglichkeiten blieb und sich den ein oder anderen Scherz von seinen Konkurrenten gefallen lassen musste.

"Wenn es als Ringer darum ging, viele Kilo für die Gewichtsklasse abzukochen, bin ich auch schon regelmäßig um die 20 Kilometer gelaufen, doch zum Marathon kam es bislang noch nie", erzählt Hähnel. Die exakt 42,195 km lange Strecke reizte ihn von jeher, schließlich gilt der Mythos Marathon als Königsdisziplin der Läufer.

So hieß es ein Viertel Jahr lang, 50 bis 60 Kilometer wöchentlich abzuspulen - und das alles nach einem harten Arbeitstag. Auch auf die Ernährung musste man etwas mehr achten als sonst und so verlor Hähnel satte 20 Pfund. Für den Marathon legten er und Hoffmann dann genaue Durchgangszeiten fest - nichts wollten sie dem Zufall überlassen. Um alles dem Durchhalten unterzuordnen, kalkulierte Hoffmann die Endzeit auf vier Stunden und 35 Minuten. Dass es am Ende mit 4:08 Stunden deutlich besser wurde, überraschte den erfahrenen Läufer aus Thalheim, der schon viele Marathonläufe hinter sich gebracht hat. Beim Start in Unna war er dann jedoch mindestens genau so nervös wie sein Schützling. Fünf Runden auf einem Rundkurs von circa acht Kilometern mussten in der westfälischen Stadt absolviert werden. Optimales Laufwetter, viele Verpflegungspunkte und eine tolle Stimmung am Ziel milderten die Qualen der Langstrecke. Das Durchhalten von Hähnel muss man umso höher anrechnen, da auf der recht hügeligen Strecke insgesamt 75 von den gestarteten 178 Läuferinnen und Läufern vorzeitig aufgaben.

Fragt man den 50-Jährigen, ob denn nun weitere Marathonläufe folgen sollen, so bekommt man ein "vielleicht" zu hören, wobei dann doch wieder der Ehrgeiz durchklingt und er anfügt: "Eine Zeit unter vier Stunden müsste eigentlich machbar sein." Warum auch nicht?

Holger Hähnel, 15. Juli 04.