Nagelprobe für neue Regeln

Mannschaftskämpfe werden zum ersten Mal nach neuem Regelwerk durchgeführt

Wenn am 20. August in vielen Hallen der Region die Ringer-Wettkämpfe angepfiffen werden, erwarten die Fans nicht nur so manche Neuverpflichtung ihres Vereins, sondern auch eine Reihe Neuerungen im Regelwerk. Seit Beginn dieses Jahres kämpften die Athleten nun schon zu den Einzelmeisterschaften, ähnlich wie beim Boxen, in Runden. Zu den Mannschaftskämpferung erlebt diese gravierendste Regeländerung seit Jahren nun ihre Nagelprobe.

Auch in der neuen Punktanzeige sind schon die fünf Runden eingearbeitet (Quelle: www.foeldeak.com)Gerungen werden bei den Mannschaftskämpfen pro Duell maximal fünf Runden à zwei Minuten. Am Ende jeder Runde wird ein Sieger ermittelt und sobald ein Sportler drei Runden gewonnen hat, ist der Kampf beendet. Mit einem Sieg auf "Ast", also einem Schultersieg, ist man allerdings auch weiterhin vorzeitig Gewinner. Der Vorsitzende des RV Thalheim, André Schmidt, sieht die Neuerung durchaus positiv: "Die Spannung und der Unterhaltungswert werden erhöht, da sich niemand auf zwei gewonnenen Runden ausruhen kann", so der Drei-Tannen-Städter.

Endet eine Runde punktlos 0:0, so wird der Kampf für maximal 30 Sekunden im Zwiegriff fortgesetzt, der eine Entscheidung bringen muss. Steht es nach den zwei Minuten jedoch 1:1, 2:2 oder 3:3 usw., so gewinnt zunächst der Ringer, der die höchste Einzelwertung erzielt hat. Sollte dies zu keiner Entscheidung führen, wird die Anzahl der Verwarnungen als Kriterium herangezogen. Sind beide dabei immer noch gleich auf, gewinnt der Ringer mit der letzten erzielten Wertung die Runde. "Das mag auf der ersten Blick verwirren", meint André Schmidt, "doch wenn man ein paar Kämpfe angeschaut hat, ist auch diese Regelung nachvollziehbar." Zudem kann eine Runde vorzeitig beendet werden, wenn jemand mit sechs Punkten vorn liegt, einen "Lehrbuch"-Wurf mit hoher Amplitude (5-Punkte-Wurf) zieht oder etwa zweimal eine Dreier-Wertung erzielt. Mit drei dieser "Abbruch-Runden" ist ein Ringer dann Überlegenheitssieger, was in etwa dem 15:0-Sieg vor der Regeländerung entspricht.

Nicht nur mit Freude wurde es aufgenommen, dass man nun als Ringer allein für das Rausschieben des Gegners ins Aus einen Punkt erzielen kann. "Da kann es schon einmal vorkommen, dass ein Kampf zwischen zwei gleichstarken Klassikern nur durch Geschiebe entschieden wird", ist RVT-Trainer Jochen Schwarzer etwas skeptisch, was diesen Teil der Neuerungen anbelangt. Hinzu kommt, dass in der kommenden Saison kein Ringer mehr wegen Passivität in die Bodenlage geschickt wird. "Hier mussten sich die Boden-Spezialisten schon etwas umstellen, dafür dürften sich die Zuschauer nun wieder auf mehr Standtechniken freuen", weiß Schwarzer, der sein Training von jeher mehr auf den Standbereich ausgerichtet hat.

Wie die Einzelkämpfe in die Mannschaftswertung eingehen, ist wiederum recht einfach. Eine gewonnene Runde bedeutet auch einen Punkt für das Team in der Mannschaftswertung, so dass Einzelkämpfe mit 3:0, 3:1 oder 3:2 eingehen können. Bei einem Schulter- oder Überlegenheitserfolg wandern 4:0 Zähler auf das Konto des siegreichen Teams. Halbe Punkte, wie noch in der letzten Saison, gibt es damit nicht mehr beim Ringen. Knapp kann es allerdings immer noch werden.

Holger Hähnel, 12.8.2005