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Dringlichkeitsantrag des ehemaligen Weltklasse-Ringers Thomas Zander THOMAS ZANDER GRUNDFELDSTR. 23 73432 AALEN Geehrte Ringkampffreunde, wie euch bekannt ist, habe ich vor geraumer Zeit für eine Regelabänderung geworben. Aufgrund
der aktuellen Situation stelle ich hiermit den Dringlichkeits-Antrag, Einführung
der Ermahnung Der passive Ringer erhält nach Festlegung des Kampfrichters eine Ermahnung. Der aktive Ringer darf sich daraufhin eine bestimmte Position aussuchen. Er hat 2 Positionen zur Auswahl. IM GRIECHISCH-RÖMISCHEN STIL: Position 1, im Stand die Einnahme der bisherigen Brustklammer Position 2, im Boden die Einnahme der normalen Bodenlage (vergangene Saison): In einer dieser Positionen, wie vom Ringer mit „Up“ oder „Down“ ausgewählt, wird der Kampf angepfiffen und bis zum Fall einer Wertung weitergeführt. Alle Wertungspunkte, auch ein Schultersieg, ist aus dieser Position möglich. Kommt es in dieser Situation nach ca. 20 Sekunden zu keiner Wertung oder tritt hier bereits früher Stillstand ein, bricht der KR die Situation ab und der Kampf wird normal im Stand weitergeführt. Wird kein Wertungspunkt vom Angreifer erreicht wird dieser nicht durch eine Verwarnung bestraft. Fallen in der regulären Kampfrunde trotz der vielen Chancen keine Punkte, soll wie bisher das Los über den Vorteil des Fassens einer der genannten Positionen entscheiden. Vermerk zur Position 2: Derzeit ist nicht sicher abzusehen, wie sich die internationalen Regeln entwickeln. Die erhöhte Verletzungsgefahr beim verkehrten Ausheber, vor allem im Jugendbereich, lässt die Meinungen schwer auseinander gehen. Sollte sich international der verkehrte Ausheber endgültig durchsetzen, könnte hierzu nachträglich geändert werden, was aber akut nicht der Fall ist. IM FREIEN STIL: Position 1, im Stand die Einnahme der bisherigen Fußhaltung mit kleiner Änderung: Veränderung der Position 1: Da die
jetzige Fassart, mit beiden Beinen stehend, zu einseitig und zu überlegen ist
und damit der Angreifer nicht zu sehr bevorteilt wird, muss der Angreifer
beim Anpfiff zumindest 1 Knie auf die Matte aufsetzen. Position 2, im Boden die Einnahme der normalen Bodenlage (wie letzte Saison). In einer dieser Positionen, wie vom Ringer
„Up“ oder „Down“ ausgewählt, wird der Kampf angepfiffen und bis zum
Fall einer Wertung weitergeführt. Alle Wertungspunkte, auch ein Schultersieg,
ist aus dieser Position möglich. Kommt es in dieser Situation nach ca. 20
Sekunden zu keiner Wertung oder tritt hier bereits früher Stillstand ein,
bricht der KR die Situation ab und der Kampf wird normal im Stand weitergeführt.
Wird kein Wertungspunkt vom Angreifer erreicht wird dieser nicht durch
eine Verwarnung bestraft. Fallen in der regulären Kampfrunde trotz der vielen Chancen keine Punkte, soll wie bisher das Los über den Vorteil des Fassens einer der genannten Positionen bestimmen. Beim Entschluss des Siegers auf die Standposition schlage ich vor, die Einnahme der Fußhaltung >auf die bisherige Haltung, beide Beine des Angreifers stehend, auszuweiten. Begründung zur beantragten
Regelabänderung Zur Ermahnung: 1) Beim Aussprechen der Ermahnung nach einer Kampfzeit von ca. 30 Sekunden sehen die Zuschauer aufgrund der angeordneten Position frühzeitig Aktionen bzw. Wertungen. Der zurückliegende Ringer muss entsprechend aktiv reagieren. Verteidigt der vornliegende Ringer zu sehr und wartet nur ab, kommt der andere aktivere Ringer über eine vom Kampfrichter ausgesprochene Ermahnung zu seiner Chance. Es wird kein Taktieren und Blockieren der Sportler bis zum erhofften Losglück mehr geben. 2) Durch das Einführen der Ermahnung wird das Publikum über die hieraus entstehenden Anfeuerungsrufe aktiv in das Kampfgeschehen eingebunden. Ohne diese Unterstützungs-Parolen herrscht während der Kämpfe fast ausschließlich totenstille in der Halle. Einige Zuschauer legten mir überzeugend nahe, dass sie mehr am Kampfablauf beteiligt werden müssen. Hinzu möchten sie dann ihren Sportler in der daraufhin angeordneten Position anfeuern können. Zunächst stand ich dieser Aussage sehr skeptisch gegenüber, sie gewinnt aber immer mehr an Bedeutung! 3) Die Aussage eines Kampfrichters ist absolut zutreffend. Er sagte mir, dass er eigentlich gar nichts mehr zu tun hat, einen Zuschauerplatz einnehmen und zum Münzen-Werfen wieder aufstehen könnte. Über die Ermahnungen könnte er wieder aktiv am Kampf-Geschehen teilnehmen und eigene Entscheidungen treffen. Das Auge und Feingefühl des Kampfrichters würde wieder gefragt sein und das Ganze auch für ihn interessanter machen. Zur Auswahl von 2 Positionen: 1) Absolut entscheidend ist, dass 2 Positionen vom Aktiveren ausgesucht werden können, denn diese geben dem Kampfverlauf mehr Abwechslung und Spannung! Der Zuschauer weiß niemals, welche Position tatsächlich vom Ringer ausgesucht wird und empfindet hier immer wieder eine neue Vorspannung. 2) Die guten Ringer können sich sehr schnell mit ihren Abwehrmöglichkeiten auf eine bestimmte Position einstellen. Legt man sich bei der Ermahnung auf nur 1 Position fest, wie zum Beispiel den Bodenkampf, wird man im Lauf der Zeit wegen der entsprechend guten Abwehrfunktionen weniger Aktionen zu sehen bekommen. Es wird bei der Vorgabe von 2 Positionen für den Verteidiger erheblich schwieriger sich darauf einzustellen und der Angreifer hat mehr Möglichkeiten Wertungen zu erzielen. Die Zuschauer werden dadurch mehrere, aber vor allem abwechslungsreichere Wertungspunkte zu sehen bekommen. Ich war persönlich als Beobachter bei den
Weltmeisterschaften in Budapest und ich habe bei 100 Kämpfen im griechisch römischen
Stil bestimmt 300-mal die Münze fliegen sehen. Das wird stark zunehmend
langweilig und verdirbt die Laune. Die ersten Würfe bei der Fassart
des verkehrten Aushebers bewundere auch ich, die ersten 10, die ersten 20 Würfe, aber ab dem 50sten verkehrten Ausheber geht die Bewunderung
schon in eine Normalität über. Man kann eine Schablone
anlegen, da immer wieder nur die 1 Position, die des Verkehrten Aushebers,
vorgegeben und gesehen wird! Und siehe da, die Abwehrfunktionen des
Untermannes werden besser und besser und man sieht nicht so viel Aktionen wie
erhofft. 3) Die Sportart Ringen lebt von Flexibilität und Abwechslung und nicht von monotonen, wenigen Situationen! Wenn auch international fast ausschließlich nur noch im Bodenkampf gepunktet wird, werden wir in unserem Training unsere deutschen Ringer, vor allem unseren deutschen Nachwuchs, variabler trainieren und geben diesen zur internationalen Konkurrenz dadurch Vorteile, auch im Stand punkten zu können. Eine Abänderung zur internationalen Regel wäre in jedem Fall gerechtfertigt. Warum eine
sofortige Regelabänderung? Der Schaden für unsere Sportart wird zunehmend größer! Viele Skeptiker sagen berechtigt, dass zunächst Erfahrungen gesammelt werden müssen, um Auswirkungen einschätzen zu können. Wir haben erste Erfahrungen gesammelt, die dahingehend resultieren, dass sich in der Tat etwas ändern muss! Aber laut der Meinung der Skeptiker nicht sofort, Schnellschüsse seien nicht geeignet, gewisse Gremien sollen Vorschläge erarbeiten, ausdiskutieren und dann umsetzen. Wann soll dies Geschehen, wann sollen Änderungen getestet werden? Erst in der nächsten Saison, erst dann, wenn das Mannschaftsringen kaputt ist?! Was ist, wenn auch hier böses Erwachen eintritt und der „Test“, vielleicht auch eine Änderung wie von mir angetragen, ein Schuss in den Ofen ist? Die nächste Saison wäre somit auch verlorene Zeit. Deshalb bin ich der Meinung, dass man sofort eine Änderung einführen und auch gleich ohne Zeitverzug, bis zum Ende der Saison 2005/2006, austesten soll. Dies erst zu den Play-Offs zu tun, wäre meines Erachtens zu spät, da hier keine Zweitligavereine und nur die Hälfte der Erstligavereine am „Versuch“ beteiligt wären. Was haben wir nun zu verlieren? Meine Vorschläge sind von mir als „Praktiker direkt an der Front“ durchdacht, entsprechend angepasst und nicht aus der Luft gegriffen. Den Antrag der sofortigen Regelabänderung bzw. der Regelausweitung beziehe ich nur auf die 1. und 2. Bundesligen wegen des hier herrschenden ausgeglichenen Leistungsniveaus. Um rechtliche Einwände auszuschließen, wird bei den vertretenden Vereinen eine schriftliche Einwilligung eingeholt. Im nächsten Jahr soll die Änderung dann auch in den unteren Ligen übernommen werden. Hinzu plädiere ich für die Saison 2006/2007 auf die Verkürzung der Siegesrunden. Der gesamte Kampfabend zieht sich mit 3 Gewinnrunden sehr lang hinaus, weshalb ein Kampf beim Gewinn von 2 Kampfrunden beendet sein sollte. Genaueres hierüber, vor allem wegen der Verteilung der Mannschaftspunkte, sollte noch ausgearbeitet werden. Betonen möchte ich, dass alle anderen Regelvorgaben meines Erachtens ihren Zweck erfüllen und ich diese als gut empfinde. Diese sollten weiter so ihren Bestand haben. Muss man jedoch eine absolut gleiche Regelung des internationalen Ringkampfes im nationalen Bereich übernehmen? Gewisse Abänderungen müssten doch möglich sein. Ich denke, das kann man unseren qualifizierten Kampfrichtern und Sportlern der obersten Ligen sofort ohne Übergangszeit zumuten. Jeder weiß, dass der Deutsche Ringer-Bund und die Landesorganisationen von und mit den Vereinen leben. Hier brennt der Baum an den Wurzeln. Flexibilität und sofortiges Handeln ist angesagt, um unseren Sport eine Überlebenschance zu geben. Meines Erachtens stehen wir kurz vor dem Abgrund und jeder weitere verlorene Tag bringt uns diesem einen Schritt näher. Die Verantwortung übertrage ich hiermit EUCH, geehrte Sportskameraden, über die Entwicklung unserer Sportart RINGEN, Leben oder Sterben, zu entscheiden. So bitte ich euch meinem Antrag zuzustimmen. Thomas Zander |