Einladung zur Nationalmannschaft ist Trost

Zweite DM-Medaille für Ringerfamilie Reimer - Kevin Mehlhorn im Pech: statt Gold nur Rang fünf

So hart kann Sport sein: Kevin Mehlhorn vom Ringerverein Thalheim befand sich am Wochenende in der Goldspur auf dem Weg zum Deutschen Meistertitel der Jugend A (griechisch-römischer Stil). Nur eine winzige Unaufmerksamkeit kostete ihn im südbadischen Furtwangen schließlich Edelmetall. Der RV Eichenkranz Lugau konnte, wie bereits kurz gemeldet, über die Bronzemedaille von Kirk Reimer jubeln.

Nach drei überzeugenden Schultersiegen unterlag Kirk Reimer bis 50 kg nur dem starken Cottbusser Brian Tewes. Das Finale um Platz drei war schließlich nichts für schwache Nerven. Zunächst verlor Kirk gegen Kai Flaig (Hofstetten) die erste Runde und auch in Durchgang schien die zweite DM-Medaille für die Ringerfamilie Reimer in diesem Jahr in Gefahr zu geraten. Bis zuletzt suchte der Lugauer jedoch seine Chance und legte seinen Kontrahenten noch auf die Schultern. Mit dem dritten Platz war Kirk zugleich bester sächsischer Starter bei diesem Turnier.

Kevin Mehlhorn vom RVT hatte im 58-kg-Limit eine echte "Hammer-Gewichtsklasse" erwischt. Allein in seinem Pool hatte er es mit drei amtierenden Deutschen Meistern zu tun. Was der 15-jährige Thalheimer da als einer der jüngsten in dieser Altersklasse leistete, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Allein die Belohnung in Form der Goldmedaille blieb aus. Bereits am Freitagabend bezwang Kevin den erstligaerfahrenen Kleinostheimer Christian Groß (Deutscher Meister der A-Jugend 2005) nach Punkten. Das Los wollte es so, dass er am Morgen darauf gleich gegen den Siebenter der Kadetten-EM, Frank Stäbler (Musberg), antreten musste. Abgeklärt wie ein Profi gewann er gegen den hohen Favoriten, was natürlich bereits für Aufmerksamkeit beim Nachwuchs-Bundestrainer und dreifachen Weltmeister Maik Bullmann sorgte.

Das Pech lauerte schließlich im Duell mit dem Mömbriser Christopher Fersch (Deutscher Meister der B-Jugend 2005). Die erste Runde war gewonnen und auch in Durchgang zwei führte Kevin mit 4:0, als er schlicht zuviel wollte und in einen Konter des Hessen lief. Daraus gab es kein Befreien mehr und Kevin ging auf "Ast". Die Konstellation war nun so unglücklich, dass sich Fersch, Stäbler und Mehlhorn gegenseitig besiegt hatten, der Thalheimer aufgrund der Schulterniederlage dabei jedoch die schlechtesten Karten in der Hand hielt. So zog Stäbler, den Kevin besiegt hatte, ins Finale ein und wurde Deutscher Meister. Der RVT-Athlet seinerseits musste sich mit dem Endkampf um Rang fünf begnügen, wo er mit Tim van Voorst vom Erstligisten KSV Witten kurzen Prozess machte. Doch eines konnte Kevin Mehlhorn darüber trösten, dass auf der Urkunde am Ende die "falsche Zahl" stand: Er erhielt eine Einladung vom Bundestrainer zum Trainingslager der Jugend-Nationalmannschaft.

Sehr gut präsentierte sich an dem Wochenende im Schwarzwald auch der Neu-Thalheimer Michael Gruner. Im 100-kg-Limit fehlte manchmal noch das letzte Quäntchen Mut, sonst wäre anstatt des fünften Platzes womöglich auch eine Medaille drin gewesen. Frederick Esser aus Lugau (58 kg) kämpfte sich bei seinen ersten Deutschen Meisterschaften bis in die vierte Runde vor, was am Ende den elften Rang bedeutete. In der mit 26 Teilnehmern am stärksten besetzten 63-kg-Klasse wurde Jan Landgraf nach einem Sieg und zwei Niederlagen als 19. platziert.

Bereits am kommenden Wochenende stehen weitere Wettkämpfe für die jungen Ringer an. Im holländischen Utrecht wird das traditionelle Osterturnier ausgetragen, bei dem im Vorjahr unglaubliche 700 Teilnehmer auf die Matten gingen. Zudem wird Kirk Reimer am letzten Aprilwochenende noch bei den Deutschen Meisterschaften der Junioren starten.

Holger Hähnel, 10.4.06