| Ringerstiefel noch nicht an Nagel gehängt
Rüdiger Möhring feiert am 10.
August seinen 50. Geburtstag - In Saison als Ringer und Co-Trainer beim RV Thalheim
Thalheim. "Was, wie alt ist er?" Solche Fragen stellt so mancher verblüffte Nachwuchssportler - und reibt sich verwundert die Augen - wenn der Thalheimer Rüdiger Möhring auf die Ringermatte tritt. So recht mag es wohl niemand glauben, wenn der Athlet seine knapp 100 Kilogramm blitzschnell über die Wettkampffläche bewegt und immer noch vielen Jüngeren eine Lektion erteilt:
Am 10. August feiert der langjährige Thalheimer Zweitligaringer Rüdiger Möhring seinen 50. Geburtstag.
Die Thalheimer Ringer kennen den Jubilar seit 16 Jahren. 1991 kam er über seinen Arbeitskollegen Maik Martin, der damals die Ringerstiefel für die Drei-Tannen-Städter schnürte, mehr oder weniger durch Zufall nach Thalheim. Als Rüdiger Möhring am 2.
November 1991 den ersten Kampf im Dress des SV Tanne Thalheim bestritt und diesen nach anfänglicher Führung verlor, ahnte niemand, dass er im Jahre 2007 immer noch für die Erzgebirger auf die Matte gehen würde. Als Garant an Sportsgeist und Zuverlässigkeit entpuppte sich "Möhre", wie er von Kameraden und Fans genannt wird, im Laufe der Jahre. Schon 1992 war er mit 46 Punkten der erfolgreichste Thalheimer Kämpfer in der Bundesligamannschaft und wurde schließlich eine der wichtigsten Stützen des Zweitligateams - von den Fans, aber auch von den Gegnern stets hoch geschätzt. In der kommenden Saison wird er neben seinen Kämpfen im Oberligateam des RV Thalheim auch als Co-Trainer der Bundesligamannschaft fungieren. "Ich habe mich sehr gefreut, dass der Verein da auf mich zugekommen ist", will sich Möhring gern an der Seite von Heiko Krauß engagieren.
Heimisch ist der Kripo-Beamte Rüdiger Möhring seit vielen Jahren in Dresden. Doch begonnen hatte er mit dem Ringen schon 1968 bei der BSG Traktor Gutenswegen, einer Außenstelle von Dynamo Magdeburg. In der Zeit an der Kinder- und Jugendsportschule Luckenwalde, die ihn im freien Stil ausbildete, wuchs die Zahl der Erfolge sehr schnell. 1971 wurde Möhring DDR-Meister der Jugend A und 1973 sowie 75 jeweils Zweiter bei
der zentralen Spartakiade in Berlin. Zwischen 1976 und 1984 gewann er in fast jedem Jahr eine Medaille bei den DDR-Meisterschaften, "nur leider keine goldene", wie er anmerkt. Da gab es noch einen Uwe Neupert, den zweifachen Weltmeister und Vize-Olympiasieger, an dem "Möhre" nicht vorbeikam. Bei internationalen Turnieren durfte er dennoch teilnehmen, so dass die Erfolge nicht lange auf sich warten ließen. 1978 siegte Rüdiger Möhring in Ulan Bator (Mongolei) und erzielte 1981 mit Silber beim renommierten Werner-Seelenbinder-Turnier in Leipzig, dem heutigen "Grand Prix", seinen wohl größten Erfolg neben dem Vizeweltmeistertitel der Veteranen im Jahr 2000.
Doch beim Ringen allein blieb es nicht. Ab 1984 startete Möhring ebenso erfolgreich im Zweier- und Vierer-Bob für die BSG Dynamo Zinnwald. Im Winter 1985/86 war sogar schon die Zeit für die Teilnahme an Weltcup-Rennen gekommen, wo der "bobfahrende Ringer" bei den dritten Plätzen in Sarajevo und im Schweizerischen St. Moritz mit der Weltspitze mithalten konnte.
Mit dem Bobfahren ist es in den letzten Jahren wieder weniger geworden, doch das Ringen steht weiterhin an erster Stelle. In den bislang 16 Jahren in Thalheim war Rüdiger Möhring übrigens zu keinem Wettkampf verletzt oder krank - eben eine echte Ausnahmeerscheinung. Da bleibt natürlich die Frage: Wie lang möchte der 50-Jährige noch die Ringerstiefel schnüren? Schon so manche Legende bildete sich bei den Ringern der Drei-Tannen-Stadt bezüglich seiner Entscheidung. Zunächst hieß es, "Möhre" wolle aufhören, sobald er Opa sei. Nachdem er mittlerweile vierfacher Großvater ist, standen nacheinander die 100-Jahr-Feier der Thalheimer Ringer 2004 und schließlich der 50. Geburtstag als "Termine" im Raum. Doch davon will der Dresdner nicht viel wissen. "Ich trainiere zur Zeit fünfmal in der Woche, davon zweimal auf der Matte und fühle mich sehr gut", hat Möhring schon die anstehenden Kämpfe in der zweiten Mannschaft ab September vor Augen. Nach Aufhören klingt das nicht. "Ich entscheide von Jahr zu Jahr. Natürlich will ich keinem Jüngeren den Platz wegnehmen", so Möhring.
Doch was hält den "Mattenoldie" nun so jung? "Ein Geheimrezept gibt's da nicht, aber die gute Küche meiner Frau Marina tut sicher viel dazu", meint der Mattenfuchs. Und bei Eisbein aus dem Erzgebirge könne er auch nicht so leicht nein sagen, so der Jubilar weiter.
Vorerst werden also die Ringerschuhe von Rüdiger Möhring noch nicht an den Nagel gehängt. Bis das passiert, wird er wohl noch so manchen Ringkampfexperten und Nachwuchsathleten zum Staunen bringen.
Der RV Thalheim
gratuliert Rüdiger Möhring ganz herzlich zum 50. Geburtstag und wünscht
weiterhin beste Gesundheit und stets viel Freude als Ringer und Trainer!
Holger Hähnel,
2.8.2007
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