Ringen / Regeländerungen bei Einzelmeisterschaften


Griechisch-Römischer Ringkampf auf dem Weg zu mehr Attraktivität

DRB-Präsident Manfred Werner erläutert Regel- änderungen

Darmstadt - Der Präsident des Deutschen Ringer-Bundes, Manfred Werner (Veitshöchheim) stellte am Rande der Bundesligatagung in Darmstadt wichtige Regeländerungen des Weltverbandes FILA vor, die vorrangig den griechisch-römischen Ringkampf betreffen und sofort - also schon zu den Deutschen Meisterschaften im März, in Kraft treten.

Demnach wird es bei zwei Siegrunden (maximal 3 Kampfrunden) bleiben, doch die einzelnen Kampfrunden wurden zeitlich neu aufgeteilt. So werden zukünftig 90 Sekunden im regulären Ringen bestritten, danach 30 Sekunden im angeordneten Bodenkampf. Dort ist der jenige Obermann, der zu diesem Zeitpunkt in Führung liegt. Steht es nach 90 Sekunden 0:0, so wird der Vorteil des Obermannes zunächst an den Ringer im roten Trikot vergeben, wiederholt sich die Situation in der zweiten Runde, erhält der Kämpfer im blauen Trikot den Vorteil. Die bisherige Wertung indes bleibt bei der 0:0-Ausgangssituation bestehen; gelingt es dem Obermann nicht, eine technische Wertung aus seinem Vorteil zu erzielen, erhält der Untermann einen Punkt. Dies gilt nicht, wenn der Obermann vorher bereits in Führung lag.

Die Entscheidung, wer bei 0:0 Ober- oder Untermann im Bodenkampf wird, läuft in der dritten und entscheidenden Runde etwas anders ab. Steht es auch hier nach Ablauf der 90-sekündigen Kampfzeit 0:0, so werden die Wertungen der ersten beiden Runden herangezogen. Der Ringer mit dem besseren Gesamtpunktverhältnis kann dann zwischen Ober- und Unterlage wählen. Bleibt es in der Summe aller erzielten Punkte und Verwarnungen beim Gleichstand, entscheidet das Los, wer den Vorteil erhält. Der Gewinner des Losentscheides muss dann jedoch in die Oberlage. Ausschließen will man beim Weltverband die "bewegungsarme Zeit" im Standkampf, bei der nur das Herunterlaufen der Uhr von beiden Kämpfern beobachtet wird, mit Passivitätsverwarnungen und den damit verbundenen Strafpunkten.

International hat jeder Ringer das Recht, im Kampf einen Videobeweis einzufordern. Dazu muss der Trainer eine weiße Karte heben, worauf ein Berufungsgericht die umstrittene Szene in Zeitlupe auswertet. Die Situation soll bei großen Meisterschaften, auch über eine Großbildleinwand für die Zuschauer einzusehen sein. Wird der Einspruch nach Ansicht des Videobeweises allerdings zurückgewiesen, darf der gleiche Ringer kein zweites Mal dieses Recht in Anspruch nehmen und der Gegner erhält einen Punkt. Ob diese Regelung auch so vom DRB übernommen wird, lässt Manfred Werner offen. "Es kann auch sein, dass wir bei der gegenwärtigen Regelung des Videobeweises bleiben", muss der DRB-Präsident mit seinen Verantwortlichen alle Einzelheiten der Änderungen erst noch genau prüfen.

Die neuen Regeln lösten bei der Bundesligatagung in Darmstadt verhaltenen Jubel aus. "Wir müssen das Ganze jetzt erst einmal beobachten, die ersten Wettkämpfe zeigten, dass mit dem neuen Regelwerk die Attraktivität des griechisch-römischen Ringkampfes gesteigert wurde", äußerte sich DRB-Präsident Manfred Werner optimistisch. DRB-Kampfrichterreferent Antonio Silvestri, der mit dem DRB-Greco-Team gerade aus Kuba zurückkehrte, sieht die Regeländerung als gelungene Sache: "Die Duelle werden attraktiver, im Standkampf passiert einfach mehr, die Ringer haben aber auch mehr Raum zum Taktieren." Erste, positive Interpretationen also - die deutschen Ringer können sich bei den deutschen Einzelmeisterschaften der Männer im griechisch-römischen Stil, vom 13. bis 15.3.2009 in Fürstenhausen (Saarland) ein eigenes Bild vom neuen Regelwerk machen.

Jörg Richter, 19.02.2009