"Ist es schon losgegangen?" So dachte wohl so mancher
Zuschauer, der am Sonnabendabend um viertel acht ins Thalheimer
Sportlerheim kam, um sich für den Bundesligaringkampf zwischen dem RV
Thalheim und dem Türkischen RV Berlin einen guten Platz zu sichern. Nein,
es rang noch die zweite Mannschaft des RVT, und da steckte so viel
Spannung und Brisanz, wie man sich das auch für den Hauptkampf des Abends
gewünscht hätte. Doch daraus wurde nichts. Der Türkische Ringerverein
aus der Hauptstadt schickte am 12. Kampftag der 2. Bundesliga Ost keine
Mannschaft ins Erzgebirge.
Was war passiert? Um 14.30 Uhr klingelte beim RVT-Vorsitzenden André
Schmidt das Telefon. Dran war der Geschäftsführer des TRV Berlin, der
ankündigte, wegen zahlreicher Verletzter nur eine Rumpfmannschaft nach
Thalheim schicken zu können. Ihm wäre es jedoch lieber, gar nicht erst
loszufahren. In einem zweiten Anruf dann die Bestätigung: Die Berliner
Ringerbären kämpfen definitiv nicht gegen die Mattenfüchse aus dem Zwönitztal.
"Wir waren schon ziemlich geschockt über die Nachricht, die uns
zudem erst am Tag des Kampfes erreichte", zeigte sich André Schmidt
sehr verärgert. "Die Fans, die Ringer, wirklich alle waren heiß auf
diese Begegnung", so der Thalheimer. Der Bären-Rückzug, der
sportlich ein 40:0 für den RVT bedeutet, dürfte noch ein finanzielles
Nachspiel für die Berliner haben. Auf 4500 Euro addiert sich allein die
Strafe laut Reglement des Deutschen Ringer-Bundes. Die Erstattung von
fehlenden Zuschauereinnahmen käme noch hinzu.
Doch zurück zum Geschehen auf der Matte. Die zahlreichen Fans, die
noch die Kämpfe der zweiten Mannschaft gegen die WKG Leipzig/Großlehna
erlebten, brauchten ihr Kommen trotz des ausgefallenen Hauptkampfes nicht
zu bereuen. Den letztjährigen Regionalligisten und
Wiederaufstiegskandidaten bezwang der "kleine RVT" sensationell
mit 20:15. Die Zuschauer waren aus dem Häuschen, als Sven Zimmermann im
letzten Kampf des Abends den amtierenden Deutschen A-Jugend-Meister Eric Lüttich
mit energischen Beinangriffen 3:0 von der Matte schickte und damit den
Mannschaftssieg perfekt machte.
Zuvor hatten Kevin Mehlhorn (55 kg), Rüdiger Möhring (120 kg), Ronny
Meier (66 kg, Klassisch) und Holger Hähnel (84 kg, Klassisch) mit klaren
Siegen den Grundstein zum Erfolg gelegt. Mit dieser kämpferischen Höchstleistung
war die zweite Mannschaft diesmal der Star des Abends. Auch Tobias Löffler
(60 kg) und Marco Meichsner (96 kg), die jeweils nur knapp unterlagen,
steuerten mit Rundengewinnen wichtige Zähler zum Gesamtergebnis bei. Die
Freistiler Maik Hoeisel (84 kg) und Robert Viehweger (66 kg) sowie
Klassiker Maik Wetzel (74 kg, Klassisch) verloren jeweils 0:3 nach
Punkten.